Damit mal klar wird, was da gerade abgeht –
Mit herzlichem Dank für den pointierten offenen Brief an Frau Dr. Beate Scholz:
Sehr geehrter Herr Senator Nettig,
sehr geehrte Medienvertreterinnen und –vertreter,
nachdem
mein Schreiben an Gerald Wirth (siehe Anhang), künstlerischer Leiter
der Wiener Sängerknaben, sowie ein schon länger zurückliegendes Mail an
Sie, Herr Senator Nettig, bisher unbeantwortet geblieben ist, ist es
mir ein Anliegen, meinen Standpunkt in Sachen Konzerthalle der Wiener
Sängerknaben öffentlich darzulegen, zumal in manchen Medien einseitig
über die Vorgänge am Augartenspitz und die dort handelnden Personen
berichtet wurde.
Alle von Ihnen, die dieses Mail erhalten,
stehen entweder in beruflichem Kontakt mit mir oder haben bereits über
die Vorgänge am Augarten berichtet.
Es handelt sich bei den
Menschen, die sich am Widerstand gegen das Bauprojekt (AN DIESEM
STANDORT) beteiligt haben, keineswegs um „militante Aktivisten“ oder
„Berufsdemonstranten“, wie diese mancherorts immer wieder bezeichnet
wurden, sondern um durchaus demokratisch gesinnte, kulturinteressierte
und kulturbegeisterte Bürgerinnen und Bürger aller Berufe, von Ärzten
und Rechtsanwälten über Medienmenschen und Künstlerinnen und Künstler
bis zu wahrlich ehrenhaften Pensionistinnen und Pensionisten. Dass der
harte Kern der Besetzer zu Aktivismus neigt ändert nichts an den in
meinen Augen berechtigten Anliegen vieler tausender Menschen, denn
leider: Nur wer laut ist, wird offenbar gehört.
Wie begründet
die Sorge um die diversen Verbauungspläne um Augarten ist und wie gar
nicht neu, mag Ihnen ein Artikel aus dem Jahr 1971 (!) erläutern:
http://www.baustopp.at/download/Steine-Sprechen-Augarten-Attentat_1972_k.jpg Fakt im Fall der Diskussionen rund um die Konzerthalle der Wiener Sängerknaben ist:
dass
das von Bürgermeister Häupl in „Wien heute“ (Juli 2009 FS1)
angekündigte Gespräch mit den Konfliktparteien nie stattgefunden hat;
dass
der von den Vertretern der Wiener Sängerknaben im „Bürgeranwalt“
(Jänner 2010 FS2) angekündigte runde Tisch nicht stattgefunden hat;
dass
die strittigen Punkte betreffend Denkmalschutz und Naturschutz bisher
nicht geklärt wurden und dass Sie, Herr Senator Nettig, somit irren,
wenn Sie feststellen, dass „alles rechtens“ sei;
dass die Beharrung auf just diesem sensiblen Standpunkt für eine Konzerthalle im Augarten nicht nachzuvollziehen ist;
dass
die Meinung von mittlerweile über 12.000 Menschen, die sich mit Ihrer
Unterschrift gegen den Bau der Konzerthalle IM AUGARTEN ausgesprochen
haben, schlicht ignoriert wurde;
dass im Hintergrund laufende
„Mediations“-Angebote und Gespräche offenbar reine Hinhaltetaktik ohne
ernsthaften Wunsch nach einer konstruktiven Lösung waren.
Angesichts
der erst kürzlich mit großem Aufwand betriebenen Volksbefragung in Wien
mit der großen Betonung, an der Meinung der Menschen dieser Stadt
interessiert zu sein, halte ich die Vorgänge rund um die geplante
Konzerthalle der Wiener Sängerknaben ausgerechnet im Augarten für
äußerst traurig und für eine absolut sinnlose Konfrontation zwischen an
sich einander nahe stehenden kulturinteressierten Menschen.
Ich
finde es sehr schade, dass es offenbar nie ernsthafte Bemühungen von
Politik und den Wiener Sängerknaben gab, ihr Bauprojekt an einem
anderen Standort durchzuführen.
In jedem Fall danke ich Ihnen,
den MedienvertreterInnen, im Namen der Bürgerinnen und Bürger, die sich
für den Erhalt eines unbebauten Augartenspitzes eingesetzt haben, für
Ihre bisherige Berichterstattung. Auch für die kritische, denn wichtig
ist immer die öffentlich Diskussion in solchen Dingen und die mediale
Wahrnehmung. Nur aus Information und Diskussion kann Positives
entstehen. Wenn in diesem Falle meiner Ansicht nach allerdings leider
nicht.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Beate Scholz